Paddeltour bei Fürstenberg an der Havel

 

Es ist Urlaub und wir haben uns eine Wasserwanderung über mehrere Tage vorgenommen. Wir kennen die Gegend um Rheinsberg. Wir kennen die Müritz. Aber das dazwischen, das Dreieck Fürstenberg, Mirow, Rheinsberg, eine unter Kanufahrer vielumschwärmte Gegend, nicht.

Hier soll es jetzt hingehen. Eine Rundtour über 5 Tage und mehrere Campingplätze. Die Fahrt dauert keine 2 Stunden, durch eine Umleitung (15-20 km), kurz vor dem Ziel, werden es dann aber doch mehr. Beim Kanuverleih in Priepert, nahe Fürstenberg, können wir unser Auto abstellen und den Canadier einsetzen. Der Typ dort ist ein Unikat und richtig nett.

Das Auto wird  nochmal gestreichelt und los geht es mit dem vollbeladenen Boot, gen Norden, über den Großen Priepertsee, den Wangnitzsee nur leicht berührend und gleich links in die Havel. Für alle Potsdamkundigen, hier ist auch die Havel! Unter einer kleinen  Holzbrücke hindurch und bald sind wir auf dem Drewensee.

Hier ist unsere erste Station.  Es ist erst Mittag und wir haben Zeit. Zelt aufbauen, einen Kaffee kochen (wichtig!) und außerdem haben wir Knast. Wir sind gerade mit allem durch, da fängt es an zu regnen. Timing ist eben alles.

Am Nachmittag treffen immer mehr Wasserwanderer ein, der Platz füllt sich. Abends gibt’s es dann Würstchen und Brot vom (kleinen) Grill. Nächsten Morgen springen wir als Erstes  ins Wasser. Raus, warm angezogen und man friert nicht. Noch einen Morgenkaffee und dann geht es los.

Wieder in die Havel, die hier sehr schmal ist. Am Ufer ein Reh, ganz nah, das sich kaum stören lässt. Das sind Augenblicke, die man genießen muss. Manche Seerosen sind so zusammengerollt, dass es aussieht als säßen da große Schnecken. In Sichtweite der Schleuse Wesenberg biegen wir nach links in die Schwaanhavel ab. Am Anfang kommen wir  gleich ganz dicht an einer Schwanenfamilie vorbei. Wie ein Namensschild und Wegweiser zugleich. Dann wird es ganz schmal und man fühlt sich wie im Urwald.

Bäume und Gestrüpp hängen ins Wasser. Mancher Baum liegt quer, also Kopf einziehen und durch. Enge Windungen – rechts, links. Eine kleine Holzbrücke, also doch Zivilisation. Auf einmal Knirschen unter dem Boot. Wir sitzen auf! Haben wir zu viel geladen oder bin ich die tiefere Ursache? Also raus aus dem Boot und ein Stück ziehen. Kurz danach öffnet sich in seiner ganzen Größe der Plätlinsee. Hier muss man der gelben Betonnung folgen. Naturschutzgebiet! Das heißt auch nicht Anlegen. Schade, die Arme werden langsam lang. Wir müssen bis nach Wustrow, eine Stelle, an der wir Umtragen müssen. Das ist hier eine Viecherei! Steil hoch zur Straße und dann weiter. Wir haben, aus Gründen der Bequemlichkeit, aber auch wirklich zuviel Gepäck mit. An der Einsatzstelle angekommen, gibt es erstmal dick belegte Brote.

Weiter geht es recht gemütlich, aber doch mit langen Armen, über den idyllischen Klenzssee auf den Gubenowsee. Unsere zweite Station. Später kommt noch eine johlende Jugendgruppe. Geht bis in die Nacht, irgendwann kann man es nicht mehr hören. Am nächsten Morgen, wieder der Sprung in Wasser. Abgebaut und eingeladen ist schnell und dann halten wir uns rechts ins Drosedower Bek einfahrend. Seerosen, Urwüchsigkeit, eine kleine Holzbrücke, viele Plätze zum Anlanden. Herrlich, die Gegend.

Dann biegen wir nach Süden ab und paddeln den Rätzssee bis zum südlichen Ende. Eine kleine, schmale Durchfahrt führt uns zur Fleether Mühle.  Hier ist wieder Umtragen angesagt. Aber das geht im Vergleich zum Vortag recht locker ab. Da gab es doch noch ein Hinweisschild! – Das verhilft uns zu einer kräftigenden Bockwurst und Kaffee. Nicht weit entfernt, lassen wir den Vilzssee rechts liegen und können gleich in die Schleuse Diemitz einfahren.

Schleuse Canow

Schleusen machen immer wieder Spaß, samt Boot und Gepäck im Wasserfahrstuhl. Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Campingplatz Bibertours auf dem  Labussee. Jetzt kommt es aber langsam und stärker werdend von oben. Regen! Die Sachen sind gut eingepackt, also kein Problem. Nachdem wir angekommen sind, hört es auch wieder auf.  Der Campingplatz Bibertours ist Natur pur. Nur steil ansteigender Wald bis ans Ufer. Ein Plätzchen ist schnell gefunden und der Aufbau erledigt. Ruhig, gemütlich, schön. Doch irgendwie wird es immer dunkler und es grollt auch schon.

Dann folgt ein Gewitterguß vom Feinsten. Wir sitzen etwas hangaufwärts an einem überdachten Holztisch und sehen, wie das Wasser den Hang herunterschießt. Der Regen peitscht so, dass unsere Kehrseite, auch unter dem Dach, immer nasser wird. Wir hocken uns einfach auf den Tisch (sieht ja keiner). Als der Guß vorbei ist, steht unser Zelt allerdings in einer Pfütze. Ein kleiner, schon vorhandener Abzugsgraben (wir stehen nahe am Wasser), hat seinen Zweck nicht erfüllt. Spaten genommen, mehrfach hineingestochen, Wurzeln knirschen und es gurgelt, wie in einem Gebirgsbach. Ein Teil des Wassers fließt sofort ab. Dann kommt noch Wasserschöpfen mit Schüsseln, (dabei kann man lachen!) und das größte Problem ist beseitigt. Natürlich alles dreckig, aber ins Innenzelt ist nichts gekommen. Am Abend gönnen wir uns dann noch ein Bier auf einem dort festgemachten Ponton und genießen die Stimmung über dem See.

Labussee Hausboot Müritz
Labussee

Als sich der Morgen zeigt, folgt wieder, der nun schon obligatorische Sprung ins kühle Nass. Wir kreuzen den Labussee bis Canow und fahren in die dortige Schleuse ein. Den Schleusenwärter fragen wir, ob man hier irgendwo frische Brötchen bekommt, denn darauf haben wir einen riesen Appetit. Er ist total nett, sagt uns dass wir gleich hinter der Schleuse anlegen und ,,ausnahmsweise über die Schleusebrücke dürfen’’. Ist wirklich verboten!  Wir folgen dann dem Bogenförmig verlaufenden kleinen Plätlinssee in den Großen Plätlinsee. Hier ist unsere letzte Übernachtung angedacht. Der Platz ist einfach toll. Genau das richtige zum Abschluss.

am Großer Pälitzsee

Wir zelten an einem Platz, der einen Blick auf den See, wie von einem Aussichtspunkt bietet. Spechte sind ganz nah zu sehen und gegen Abend entwickelt sich vor unseren Augen ein Himmel in einer Farbenpracht, die einem den Atem raubt. Später gibt es ein zünftiges Lagerfeuer mit anderen Wasserwanderern, bei dem jeder Geschichten zu erzählen weiß. Beim Baden am nächsten Morgen ist noch, obwohl schon relativ hell, der Mond über dem spiegelglatten See zu sehen. Eine Stimmung, die nicht zu beschreiben ist. Unser Paddelweg ist heute kurz, denn es ist schon unser Rückreisetag. Über die Schleuse Strasen und den Ellbogensee geht es zurück nach Priepert. Vom ,,Unikat’’ begrüßt, ist alles schnell verladen und wir treten den Heimweg an.

Es war eine unglaublich schöne Tour, mit vielen Erlebnissen und neuen Erfahrungen. Fazit:  Lust auf mehr !!

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